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08.03.2010 Stimmungsbarometer Mittelstand steigt langsam weiter

  • Geschäftslage der Dienstleister deutlich verbessert
  • Arbeitsplatzabbau verlangsamt
  • Investitionsbereitschaft nimmt zu
  • Eigenkapitalquoten nur leicht rückläufig
  • Schwache Auftragslage belastet

Die im Sommer 2009 begonnene Erholung des mittelständischen Stimmungsbarometers hält an. Der Index, den die WGZ BANK mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen halbjährlich ermittelt, klettert auf 99,4 Punkte. Mit einem Plus von 1,0 Zähler ist die Dynamik des Anstiegs gegenüber der letzten Befragung allerdings geringer, als der Index noch 6,9 Zähler zulegte. „Die Sorge um die steigende öffentliche Verschuldung und die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung veranlasst viele Konsumenten zur Vorsicht und lässt auch in der mittelständischen Wirtschaft die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, so Uwe Berghaus, Leiter des Bereichs Firmenkunden der WGZ BANK.
 
Die knapp 1.000 befragten mittelständischen Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen schätzen ihre aktuelle Geschäftslage dieses Mal besser ein als noch vor einem halben Jahr. So beurteilt mehr als jeder dritte Mittelständler (36%) seine Situation mit gut oder sehr gut (vormals: 33%), 22% sind unzufrieden (vormals: 24%). Die Geschäftsaussichten hingegen haben sich etwas verschlechtert: Nach wie vor sieht zwar mehr als jeder vierte Unternehmer (28%) der geschäftlichen Zukunft optimistisch entgegen. Die Zahl der Pessimisten ist aber von 11 % auf 13 % gestiegen. Insbesondere bei den kleinen Unternehmen mit unter 20 Beschäftigten, die sich in der Krise stabiler als die größeren Unternehmen halten konnten, trübte sich die Stimmung ein.

In den einzelnen Branchen zeigt sich ein gemischtes Bild. Während sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe und bei den Dienstleistern aufhellte, kühlte sich das Klima im Handel sowie im Bau- und Ausbaugewerbe ab. In letzterer Branche sind die Stimmungsverluste mit 4,4 Zählern auf 98,2 Punkte am größten. Insbesondere die Erwartungen sind zurückgegangen. Die Hoffnungen auf positive Effekte aus den Konjunkturprogrammen scheinen zu schwinden. „Während im Rahmen der Konjunkturprogramme zwar öffentlichkeitswirksam zusätzliche Aufträge angekündigt werden, stellen insbesondere viele Kommunen andere Aktivitäten jedoch zurück“, so Stefan Grothaus, Chefvolkswirt der Bank.

Stimmungsbarometer Mittelstand

Nur geringe Zunahme der Arbeitslosigkeit zu erwarten

Der Abbau von Arbeitsplätzen hat sich gegenüber der letzten Befragung verlangsamt. Jeder sechste bis siebte Mittelständler (16%) hat neue Mitarbeiter eingestellt, während jeder Fünfte (20%) seine Belegschaft reduzierte. Damals hatten noch 26% der Unternehmen Arbeitskräfte entlassen. Bei den Dienstleistern ist die Situation besonders viel versprechend. Hier überwiegt inzwischen die Zahl der einstellenden Unternehmen (19 %) die der Arbeitskräfte freisetzenden Betriebe (12%) deutlich.

Trotz der bestehenden Überkapazitäten in den Unternehmen ist nur eine geringe Zunahme der Arbeitslosigkeit zu erwarten. Grothaus: „Die Unternehmer wollen offenbar die Fehler der Jahre 2002 und 2003 vermeiden, als sie ihre Belegschaft deutlich reduzierten und im folgenden Aufschwung nur schwer qualifizierte Mitarbeiter gewinnen konnten.“ Im weiteren Jahresverlauf will sogar jeder achte Mittelständler (13%; vormals 10%) Personal einstellen. Mit weniger Beschäftigten planen 14% der Unternehmen (vormals 15%). Die Mehrheit der Befragten (74%) geht von einer gleichbleibenden Mitarbeiterzahl aus.

Investitionsneigung nur leicht belebt

Die Investitionstätigkeit der Unternehmen hat zwar leicht zugenommen, bleibt aber noch zurückhaltend. So erhöhte jeder fünfte Unternehmer (20%) seine Investitionen, während 28% weniger investierten. In der letzten Befragung lagen die Werte noch bei 18% sowie 36%. Insbesondere das Bau- und Ausbaugewerbe zeigt eine höhere Investitionsneigung. Von den investierenden Unternehmen ersetzen fast zwei Drittel (64%) bestehende Anlagen. Der Anteil der Firmen mit Erweiterungsinvestitionen stieg leicht auf 22%, während die Rationalisierungsinvestitionen auf 14% ebenfalls leicht zulegten. Im Rahmen ihrer Investitionstätigkeiten haben lediglich 7% der befragten Unternehmen auf öffentliche Fördermittel zurückgegriffen.

Die Planungen für die kommenden Monate sind zwar noch von Investitionskürzungen geprägt, jedoch nicht mehr in dieser Deutlichkeit. Ein Viertel der befragten Unternehmen (25%; vormals 29%) will die Investitionsausgaben zurückfahren, während nun 22% (vormals 14%) die Investitionsbudgets aufstocken wollen.

Eigenkapitaldecke geht zurück

Krisenbedingt ging die Eigenkapitalausstattung vieler Unternehmen zurück. Mit einer Eigenkapitalquote von weniger als 10% müssen sich 22% der Befragten begnügen (vormals 20%). Unter den Dienstleistern sowie im Bau- und Ausbaugewerbe sind die meisten Unternehmen nur mit einer dünnen Eigenkapitaldecke ausgestattet. Eine gute Eigenkapitalquote von über 30% weisen nun weniger Betriebe auf (33%; vormals 36%).

Problemfelder: Schwache Auftragslage belastet, Finanzierungsbedingungen weniger bedeutend

Die schlechte Auftragslage stellt für viele Unternehmen nach wie vor das größte Problem (45%) dar. Insbesondere das Verarbeitende Gewerbe zeigt sich hiervon betroffen. Schwierigkeiten bereitet den Mittelständlern auch der hohe Konkurrenzdruck (40%), was vor allem das Bau- und Ausbaugewerbe sowie der Handel beklagen. Die bürokratischen Auflagen bezeichnen ein Drittel der Befragten als problematisch, während ebenso viele Unternehmen unter einer hohe Steuerlast leiden. Die in der Öffentlichkeit mitunter kritisierten Finanzierungsbedingungen scheinen dagegen weniger bedeutend zu sein, da sie lediglich 17 Prozent der Befragten für problematisch halten – eine Zahl, die sich seit der Befragung im Sommer 2008 konstant hält.



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